Am 29.1.2026 ist unser Einwohnerantrag im Gemeinderat behandelt worden.
Der Gemeinderat begrüßte einhellig unseren Einsatz für Erinnerungskultur, für demokratische Werte und gegen rechtsextreme Tendenzen.
Er befürwortete eine verstärkte Aufklärung über die mutige Pfarrfrau Hildegard Spieth und öffentliche Würdigung ihres Rettungswiderstands, er befürwortete auch eine sachliche Aufklärung über die Belastung der Anwohner bei Straßenumbenennungen.
Eine Veranstaltung zum Thema „Hindenburg“ wurde beschlossen.
Und es wurde beschlossen, dass die Gemeinde prüfen solle, welche Möglichkeiten es gibt, im Straßenbild über die Hintergründe einer historischen Straßenbenennung aufzuklären. Die Antragsteller verbanden damit auch die Überprüfung, inwieweit sich dadurch eine Umbenennung vermeiden ließe. Unserer Überzeugung nach kann eine solche Überprüfung nur zu dem Ergebnis führen, dass eine Umbenennung mit Aufklärung im Straßenbild das wesentlich stärkere Zeichen setzt als eine Kontextualisierung ohne Straßenumbenennung. Auf jeden Fall unterstützen wir das grundlegende Anliegen, nämlich im Rahmen der Erinnerungskultur die historische Bedeutung z.B. durch Info-Tafeln deutlich zu machen.
Um diese Beschlüsse zu ermöglichen, haben wir unseren ursprünglichen Antrag zurückgezogen.
Die Unterstützer unseres Einwohnerantrags haben uns mit ihrer Unterschrift das Mandat mitgegeben, unseren Antrag zugunsten von solchen Kompromissen zurückzuziehen.
Link zu unseren Präsentationen für den Gemeinderat:
Vielen Dank an alle, die uns unterstützt haben mit ihrer Unterschrift, mit ihrer Präsenz, mit ihrem Rat und mit ihrer Aufmunterung!
Unsere ursprünglichen Fragen
Hindenburgstraße – NS-Propaganda von 1933 immer noch in Kernen?
Keine einzige Straße in Kernen, die nach einer Frau benannt ist?
Hildegard Spieth – die junge Pfarrfrau, die Ende des Krieges 1945 ein jüdisches Ehepaar beherbergt und somit deren Leben gerettet hat: Wäre es nicht Zeit, sie besonders zu ehren?
Eine Straßenumbenennung bedeutet eine Belastung für die Anwohner. Wie hoch ist diese Belastung tatsächlich, ist sie zumutbar?
Diese Fragen bewegen unsere Bürgerinitiative. Wir möchten für Kernen eine Diskussion darüber anstoßen. Experten sollen die Fakten klären und so helfen, dass diese Diskussion sachlich und fundiert geführt werden kann.
Daher haben wir Unterschriften für einen Einwohnerantrag an den Gemeinderat von Kernen gesammelt!
Vielen Dank an alle, die uns unterstützt und unterschrieben haben!
Einwohnerantrag zur „Hindenburgstraße“
Einwohnerantrag an den Gemeinderat von Kernen nach § 20b der Gemeindeordnung
Der Gemeinderat möge beschließen:
Es werden unabhängige fachkundige Experten beauftragt, um eine im Mitteilungsblatt/auf der Webseite der Gemeinde zu veröffentlichende Stellungnahme zu folgenden Fragen in Bezug auf die „Hindenburgstraße“ zu erarbeiten:
- Wie ist die Person Paul von Hindenburgs historisch zu bewerten und ist eine Ehrung von ihm durch eine Straßenbenennung heute noch angemessen?
- Welche Funktion hatten Straßenumbenennungen im Nationalsozialismus, insbesondere im Jahr 1933 in Stetten?
- Was hat in unserer Gemeinde Hildegard Spieth als Widerstand gegen den Nationalsozialismus getan und was könnte eine mögliche Umbenennung der Hindenburgstraße zu ihren Gunsten zur lokalen Erinnerungskultur beitragen?
- Welche Auswirkungen hat eine Straßenumbenennung auf die Anwohner?
Begründung:
Die NSDAP hat im heutigen Ortsteil Stetten im Mai 1933 die Umbenennung von zwei Straßen durchgesetzt: die Lange Straße wurde zur Adolf-Hitler-Straße, die Obere Straße zur Hindenburgstraße. Das war Propaganda für die „beiden großen Führer Deutschlands“ und damit für den nationalsozialistischen Führerstaat.
Die Adolf-Hitler-Straße wurde 1945 rückbenannt. Aber mit der „Hindenburgstraße“ wird heute immer noch ein Mann geehrt, der historisch eine fatale Rolle spielte und der den Weg in die Katastrophe des Dritten Reichs geebnet hat. Eine Rückbenennung in „Obere Gasse/ Obergass“ oder Umbenennung – etwa in „Hildegard-Spieth-Straße“ – würde ein Zeichen für demokratische Werte und Zivilcourage setzen. Bei einer Benennung nach Hildegard Spieth, der jungen Pfarrfrau, die Ende des Krieges ein jüdisches Ehepaar unter großer Gefahr beherbergt hat, wäre es die erste Straße in Kernen, die nach einer Frau benannt ist.
Durch die Beauftragung einer Stellungnahme durch unabhängige fachliche Experten (wir schlagen den Historiker Wolfgang Niess, den Theologen Peter Haigis und einen Experten, der Erfahrung mit erfolgter Umbenennung hat, vor) soll die Diskussion fundiert und sachlich geführt werden können. Eine breite Veröffentlichung der Ergebnisse ihrer fachlichen Stellungnahme soll die Einwohnerschaft informieren und sensibilisieren, sie soll an die historische Verantwortung der ganzen Gemeinde erinnern.
Vertrauenspersonen: Sarah Reyer, Kirchstraße 1; Ebbe Kögel, Heidenäcker 1; Michael Burger, Endersbacher Straße 14; jeweils 71394 Kernen
Die Unterzeichnenden berechtigen die Vertrauenspersonen, den Antrag im Falle eines Kompromisses zurückzunehmen.
Unterschriftsberechtigt sind alle Personen mit Hauptwohnsitz in Kernen ab 16 Jahren, unabhängig von der Staatsbürgerschaft.
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